Hofmann Metall übernimmt Recycling-Standort Elstertrebnitz – und einige frühere Mitarbeiter
Elstertrebnitz.
Metalle werden in Elstertrebnitz im Südwesten des Landkreises Leipzig seit den Sechzigerjahren aufbereitet. Die Insolvenz des Unternehmens Schrott Wetzel Ost GmbH stoppte im Sommer 2025 diese Tradition. Die Hofmann Metall GmbH möchte jetzt daran anknüpfen. Die Zwickauer kaufen den Standort und die technischen Anlagen. Mitte August wollen die neuen Eigentümer den Betrieb neu hochfahren – mit vorerst zehn Mitarbeitern. Einige von ihnen waren schon bei Wetzel beschäftigt. Damit werden zwei der vier Niederlassungen unter neuer Regie fortgeführt.
Käufer wollen nicht das Ganze
„Es ist gelungen, für Elstertrebnitz als ehemaligen Hauptstandort von Schrott Wetzel Ost eine nachhaltige Perspektive zu entwickeln. Das stärkt die regionale Wirtschaft in Sachsen“, sagt Thomas Jacobs. Der Rechtsanwalt, Partner in der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner aus Leipzig, war im Sommer 2025 zunächst als Sachverständiger, später als Insolvenzverwalter für das wirtschaftlich in Schieflage geratene Unternehmen eingesetzt worden.
Weil es nicht gelang, das Unternehmen mit seinen vier Niederlassungen und der insgesamt 112-köpfigen Belegschaft zu stabilisieren, wurde am 30. Oktober das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens eröffnet. Kaufinteressenten gab es durchaus, doch konzentrierten sie sich auf einzelne Standorte und nicht auf das Unternehmen als Ganzes.
Als Erstes konnte Jacobs den Betrieb in Vogelsdorf südlich von Berlin verkaufen. Dort gingen am 1. April 2026 die Lichter wieder an. Erwerber ist die Firma Bartscherer, ein seit 1921 familiengeführter Entsorgungsfachbetrieb, der zu den großen Unternehmen der Branche im Großraum Berlin zählt.
Für das sächsische Elstertrebnitz fand sich nun ein Investor aus dem Freistaat. „Für uns bietet sich die Möglichkeit, die Präsenz in der Region Leipzig auszubauen und die steigende Nachfrage nach professionellen Recycling- und Entsorgungsdienstleistungen langfristig abzudecken“, sagt Management-Assistentin Daniela Rieger-Böhm. In Brandis sei man bereits vor Ort, stoße dort aber inzwischen an Kapazitätsgrenzen. Der Kauf in Elstertrebnitz sei deshalb „der nächste logische Entwicklungsschritt“.
Hofmann Metall ist in Brandis schon am Limit
Die Hofmann Metall GmbH ist spezialisiert auf Ankauf, Aufbereitung und Vermarktung von Schrott- und Metallrecyclingmaterialien für Industrie, Handwerk und Privatkundschaft. Hervorgegangen ist das familiengeführte Unternehmen aus einem 1991 gegründeten Metallhandel in Hirschfeld südlich von Zwickau.
Was mit einem halben Dutzend Mitarbeitern begann, entwickelte sich zu einem Mittelständler mit derzeit rund 80 Beschäftigten in Sachsen und Thüringen. Sitz der Hofmann Metall GmbH ist Zwickau. In Chemnitz gibt es eine Niederlassung, zudem Annahmestellen unter anderem in Brandis, Schmölln und Altmittweida.
Mitarbeiterzahl soll wachsen
Unterzeichnet wurden die Verträge erst Freitag vergangener Woche. Der Käufer will den Standort Elstertrebnitz zum 13. August 2026 in Betrieb nehmen. „Voraussetzung ist der planmäßige Abschluss der derzeit laufenden Erwerbs- und Übergabeprozesse“, sagt Daniela Rieger-Böhm. Ziel sei es, den Standort langfristig zu sichern und schrittweise neu aufzubauen.
Man starte mit zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wolle aber perspektivisch wachsen. Die Personalsuche laufe bereits. „Ein Großteil des künftigen Teams war bereits zuvor am Standort tätig. Dadurch bleibt Fachwissen erhalten. Gleichzeitig schaffen wir für viele eine neue berufliche Perspektive vor Ort.“
In einer ersten Ausbaustufe konzentriert sich Hofmann Metall auf die Annahme und Aufbereitung von Schrott- und Metallrecycling aus dem privaten und gewerblichen Bereich. Das Leistungsangebot soll Stück für Stück um Entsorgungs- und Recyclinglösungen für Industrie- und Großkunden erweitert werden.
Für Eisenberg laufen weitere Gespräche
Das Recycling von Metallen gewinne zunehmend an Bedeutung, um die Industrie mit Rohstoffen zu versorgen und Nachhaltigkeit zu fördern, so Rieger-Böhm. Sie spricht von einem „weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld“, das durch schwankende globale Rohstoffpreise, geopolitische Unsicherheiten und die allgemeine wirtschaftliche Lage geprägt sei.
„Wir sehen langfristig gute Perspektiven und investieren bewusst in leistungsfähige Standorte und regionale Strukturen.“
Für Elstertrebnitz, mit rund 1.300 Einwohnern die kleinste selbstständige Gemeinde im Landkreis Leipzig, ist dies eine gute Nachricht. Schrott Wetzel mit 60 Mitarbeitern war über Jahrzehnte nicht nur der größte Arbeitgeber im Ort. Das Unternehmen war für die Kommune bei vielen Vorhaben ein wichtiger Partner.
Während mit Elstertrebnitz und Vogelsdorf zwei ehemalige Schrott-Wetzel-Ost-Standorte neue Eigentümer gefunden haben, führt Insolvenzverwalter Jacobs für den Standort Eisenberg in Thüringen weiterhin Gespräche mit potenziellen Interessenten und zeigt sich zuversichtlich. Die Niederlassung in Dessau-Roßlau wurde hingegen dauerhaft geschlossen.